Ródi – Pony ohne Grenzen

Leider ist Ródi, dem zu seinem 30. Geburtstag dieser Artikel gewidmet wurde, im Frühjahr 2010, im Alter von fast 35 Jahren, gestorben. Im Gedenken an dieses ganz besondere Pferd haben wir uns entschlossen, den Artikel aus dem Jahr 2005 dennoch hier online stehen zu lassen:

Rodi - Ponyhaus Lerchenhof auf FöhrRódi sonnt sich. Sein langer weißer Schopf geht fast bis zu den Nüstern, die Augen sind halb geschlossen. Um den Islandpferdewallach herum stehen seine Herdenkollegen auf einer Weide des Ponyhauses Lerchenhof auf der Nordseeinsel Föhr. Ródi ist gerade 30 Jahre alt geworden.

Der Rücken hängt ein wenig, das Fell um die Augen des Fuchses ist in den letzten Jahren zusehends grau geworden. 25 Jahre Schulpferdearbeit hat Ródi auf dem Buckel. Kinder wie Erwachsene haben auf ihm reiten gelernt, ihn geliebt – und so mancher hat ihn auch gefürchtet. Denn bei aller Geduld und Gutmütigkeit, die Ródi wie kaum ein anderes Pferd hat, hat sich der Islandpferdewallach in den 30 Jahren seines Lebens eines immer bewahrt: seine Selbstständigkeit.

Selbstständig musste das Fohlen Ródi kurz nach seiner Geburt auf dem Lerchenhof im Mai 1975 schnell werden. Mutter Raudka nämlich musste arbeiten gehen. Ródi blieb „allein zuhaus“ und mutierte zum Lerchen-Hofhund. „Musste Raudka im Unterricht laufen oder auf Ausritte gehen, blieb Ródi eben hier auf dem Hof. Er hat sich dann meistens irgendwo in die Sonne gelegt“, erzählt Elisabeth Schaefer, die gemeinsam mit ihrem Mann Eberhardt das Ponyhaus führt und Ródi sein ganzes Leben lang begleitet hat. Ihn auf einer Weide oder gar in eine Box einzusperren, das zeigte sich früh, hätte ohnehin keinen Sinn gehabt: „Ródi hat schon immer selbst entschieden, auf welcher Weide er steht“. Oben drüber mit seiner ganz speziellen Klettertechnik oder unten drunter durch, Ródi kommt überall raus. Rudi Drahtlos war deshalb bald sein Spitzname.

Sonne und Freiheit sind nicht die einzigen Faibles des Islandwallachs. Baden ist ihm mindestens so lieb. Vorzugsweise gesattelt und getrenst im Watt. Ob der Reiter mitschwimmen darf – oder muss – ist seiner Schnelligkeit überlassen. Für die Mitreiter ein Spektakel, für den Betroffenen ein zweifelhaftes Vergnügen und für Ródi ein wenig Entspannung bei der Arbeit, die er sich auch im Alter von 30 Jahren nicht nehmen lässt.

Rodi und seine Herde - Ponyhaus Lerchenhof auf Föhr

In den Ruhestand sollte der alte Herr schon lange gehen. Immer wieder entschied Elisabeth Schaefer: Ab jetzt soll Ródi einfach sein Leben auf der Weide genießen. „Aber je länger er frei hatte, desto unzufriedener wirkte Ródi, er langweilte sich. Ganz leichte Arbeit macht er deshalb immer noch. Anfängerunterricht mit Kindern oder mal Ponyreiten. Aber höchstens einmal pro Woche.“

„Gibt es Ródi noch?“, ist eine der meistgestellten Fragen Jahr für Jahr auf dem Lerchenhof. Ferienkinder, die inzwischen erwachsen geworden sind und nach Jahren mit der Familie wieder kommen, ehemalige Mitarbeiter oder Reitkinder, die auf dem alten

Wallach im Jahr zuvor ihre ersten Stunden bekommen haben – für sie alle ist der Ponyopa mit guten und lustigen Erinnerungen und untrennbar mit dem Lerchenhof verbunden. „Ja“, antworten die Schaefers dann, „Ródi sonnt sich“.

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